F. W. Murnaus Meisterwerk Der letzte Mann erzählt vom sozialen Abstieg eines stolzen Hotelportiers, der durch den Verlust seiner Stellung auch seiner gesellschaftlichen Identität beraubt wird und daran zerbricht. Dieser Prozess wird durch eine radikal subjektive Bildsprache vermittelt, die die innere Perspektive der Hauptfigur unmittelbar erfahrbar macht. Eine zentrale Innovation stellt die sogenannte „entfesselte Kamera“ dar: Sie löst sich vom starren Stativ, bewegt sich frei durch Hotelflure, Treppenhäuser und Räume und folgt der Figur auf dynamische Weise, wodurch der innere Zustand des Portiers in Bewegung, Perspektive und Rhythmus übersetzt wird.
Der letzte Mann
R: Friedrich Wilhelm Murnau | D 1924 | 90 min
Trailer
Live Dresden | Kulturkirche Weinberg
Live Weimar | Lichthauskino
Live Weimar | Lichthauskino
Live Weimar | Lichthauskino
© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Film
Musik
Die Musik spiegelt die Entwicklung der Hauptfigur wider und so begleiten verschiedene Leitmotive die emotionale Reise des Hotelportiers: Zu Beginn prägen schnelle, dynamische und melodische Themen seinen Stolz und seine Lebensfreude, während ein walzerartiges Grundmotiv die Vertrautheit seines sozialen Umfelds einfängt. Mit dem Verlust seiner Anstellung verändert sich auch die Musik zu lähmenden, verzweifelten und emotional aufgeladenen Klangwelten. Hingegen setzt das surreale Happy End einen bewussten Kontrast mit überzeichneten, modernen Jazz- und grooveartigen Elementen.
